Stichproben 9/2005
Preface
Die vorliegende Ausgabe der Stichproben ist in gewisser Hinsicht der erste Teil einer Kooperation zwischen den Studienrichtungen Afrikanistik und Internationale Entwicklung der Universität Wien und dem Historischen Seminar der Universität Hannover. Im Sommersemester 2005 leitete Brigitte Reinwald in Hannover ein Schreibseminar während in Wien Elke Christiansen und Birgit Englert eine Arbeitsgemeinschaft zum „Schreiben und Editieren“ von wissenschaftlichen Texten abhielten. Beide Lehrveranstaltungen hatten zum Ziel, den TeilnehmerInnen Erfahrung im Schreiben eigener Texte und dem kritischen Lesen fremder Texte zu vermitteln. Darüber hinaus sollte der eine oder andere Text für eine Publikation in den Stichproben entstehen – ein Ziel, das sich als ambitioniert, jedoch nicht unmöglich herausstellte.
In den Sommermonaten wurden die ersten Manuskripte an die KollegInnen der jeweils anderen Universität verschickt. Anfang Oktober fand dann in Wien ein Stichproben-Workshop statt, zu dem Brigitte Reinwald und fünf TeilnehmerInnen ihres Seminars aus Hannover anreisten. In Kleingruppen diskutierten jeweils „HannoveranerInnen“ und „WienerInnen“, AutorInnen und Mitglieder der Redaktion intensiv über Inhalt, Aufbau und Stil der Texte.
Schließlich wurde im Plenum beschlossen, dass – entgegen der ursprünglichen Idee, ein Doppelheft mit Beiträgen aus beiden Lehrveranstaltungen zu machen– einige der Texte in das vorliegende offene Heft Nr. 9 aufgenommen werden sollten, während die anderen Texte im Frühjahr 2006 in dem von Brigitte Reinwald editierten Themenheft „Afrika“ im deutschsprachigen Raum – eine Bilder-, Text- und Beziehungsgeschichte erscheinen sollten.
In der vorliegenden Nummer der Stichproben bietet der Artikel zum kolonialkritischen Diskurs der Weimarer Friedensbewegung von Susanne Heyn gewissermaßen einen Vorgeschmack auf das kommende Themenheft, in welchem die kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus im Vordergrund steht. Neben dem Beitrag von Susanne Heyn, haben das von Iris Nikischer geführte Interview mit dem Direktor der Wiener Kunsthalle, Dr. Gerald Matt, zum Thema zeitgenössische afrikanische Kunst, und die von Magdalena Kern ausgearbeitete Analyse der tansanischen Jugendzeitschrift FEMINA, ihre Wurzeln in dem Kooperationsprojekt zwischen Hannover und Wien.
Einen Anknüpfungspunkt an das zuletzt erschienene Themenheft „African Migrations. Historical Perspectives and Contemporary Dynamics“ (Nr. 8), bietet hingegen der Beitrag von Johanna Dellantonio, in dem sie die Migrationserfahrungen berufstätiger Frauen in Nairobi untersucht. Zwei weitere Beiträge kommen aus Disziplinen, die bisher noch wenig Platz in den Stichproben gefunden hatten: Romana Schweiger kommentiert aus juristischer Perspektive die ersten Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC), während sich Nathan Ogechi aus sprachwissenschaftlicher Sicht mit dem Vokabular kenyanischer Studierender in ihrer Diskussion über Sex und HIV/AIDS beschäftigt.
Birgit Englert und Elke Christiansen
Articles
„In Nairobi I have my house, upcountry I have my home“ – Berufstätige Frauen zwischen Land und Stadt am Beispiel kenianischer Frauen in Nairobi
Johanna Dellantonio
Der kolonialkritische Diskurs der Weimarer Friedensbewegung zwischen Antikolonialismus und Kulturmission
Susanne Heyn
Der Beitrag des Internationalen Strafgerichtshofes zur Stärkung nationaler Institutionen – Überlegungen anhand der ersten Ermittlungen in Afrika
Romana Schweiger
Zeitgenössische afrikanische Kunst: ein Interview mit Dr. Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien
Iris Nikischer
Cheza salama – Play it safe. Das Jugendmagazin FEMINA als Medium der HIV/AIDS-Aufklärung in Tansania
Magdalena Kern
The Language of Sex and HIV/AIDS among University Students in Kenya
Nathan Ogechi
Authors
Studium der Afrikanistik, Internationalen Entwicklung und Pädagogik an der Universität Wien. Interessensschwerpunkte: interne Migration und Gender. Während des Studiums mehrmonatige Aufenthalte in Kenia und Tanzania. Seit Abschluss des Studiums Mitarbeiterin einer internationalen NGO in Somaliland als Beraterin in einem Anti-Female-Genital-Cutting-Programm.
Assistentin am Institut für Afrikanistik der Universität Wien. Lehre im Bereich Afrikanische Zeitgeschichte und Internationale Entwicklung. Regionale Schwerpunkte: Ostafrika und Südliches Afrika. Promovierte 2005 mit einer Arbeit über Landrechte in den Uluguru Bergen, Tanzania.
M.A. Studium der Geschichte und Anglistik/Amerikanistik an der Universität Hannover und an der University of Bristol mit den Schwerpunkten Frauen- und Geschlechtergeschichte (19. und 20. Jh.), Deutscher Kolonialismus und Britische Geschichte. Magisterarbeit 2004: Kolonialrevisionismus und Kolonialkritik in der öffentlichen Debatte der Weimarer Republik.
Studentin der Afrikanistik an der Universität Wien mit dem Schwerpunkt Afrikanische Sozialgeschichte. Studienaufenthalt an der University of Dar-es-Salaam 2004/05. Interesse an der Sozialstruktur und Geschichte Tansanias.
Diplompädagogin, Master of Education (M.Ed.). Derzeit Studium der Internationale Entwicklung mit Wahlfachschwerpunkt Pädagogik an der Universität Wien.
holds a PhD in Afrikanistik from the Asien-Afrika Institut, Universität Hamburg. He is a Senior Lecturer and Chair of the Department of Kiswahili and Other African Languages at Moi University, Kenya. His research interests include language contact, linguistic human rights, language education, HIV/AIDS, communications and ethnosemantics among others.
Diplom- und Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, Promotion im Jänner 2004. Studium an der Diplomatischen Akademie Wien im Lehrgang Master of Advanced International Studies (2003-2004). Seit März 2004 Universitätsassistentin am Institut für Strafrecht und Kriminologie (Ordinariat Prof. Höpfel) in Wien. Forschungsschwerpunkte: Internationales Strafrecht, insbesondere das Recht internationaler und internationalisierter Tribunale und deren Judikatur; Straf- und Strafprozessrechtsvergleichung; Schutz der Menschenrechte durch Strafrecht.